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Garmin Colorado 300 – enttäuschend!

Garmin Colorado 300 – enttäuschend!

Der eingeschlagene Weg beim brandneuen Garmin Colorado 300 stimmt. Die Batterieleistung, die Empfangseigenschaften sowie die Ablesbarkeit des Displays liegen jedoch deutlich unter dem bisher gebotenen Garmin-Standard.


Dabei wird das Colorado 300 auf Garmin.de als «neues Outdoor Flaggschiff, das Maßstäbe setzt» angepriesen und als Nachfolger des GPSMap 60CSX propagiert. Und wirklich – der erste Eindruck ist überwältigend. Das wunderschöne Gerät liegt perfekt in der Hand und es macht Spass, mit dem neuen «Rock´n´Roller Drehrad» durch die übersichtlich gestalteten Menüs zu surfen.

Hier die untersuchten Punkte im Einzelnen:

Gerät und Bedienung:
Das Gerät gefällt! Das edle Metallgehäuse ohne Ecken und Kanten mit dem grossen Display ist eine wahre Augenweide. Mit dem neuen «Rock´n´Roller Drehrad» haben wir uns sofort angefreundet. Kein Vergleich mit dem hakligen Joystick des Vista HCx. Die Menüs sind logisch und übersichtlich gestaltet und auch ins Design der Symbole hat Garmin investiert. Ganz nach dem Motto «weniger ist mehr» wurden viele wirklich unnötige Funktionen der Vorgängerserien weggelassen (aus unserer Sicht sind auch einige wirklich notwendige Funktionen verschwunden). iPod-Feeling kommt auf!

Ausstattung:
Es hat alles! Besonders augenfällig sind folgende zusätzliche Möglichkeiten gegenüber dem GPSMap 60CSX / Vista HCx:

  • Erweiterbar mit Herzfrequenzsensor sowie Tritt- und Geschwindigkeitssensor (Kompatibel zu Edge und Forerunner).
  • Anzeige der Lufttemperatur.
  • Stark erweiterte Geocaching Funktionen.
  • Grosser Arbeitsspeicher (CH Topo-Karte hat im internen Speicher Platz).
  • SD-Kartenslot für weitere Karten.
  • Möglichkeit, Daten (Tracks, Wegpunkte, …) via Funk mit anderen Colorado-Geräten auszutauschen.


  • Tracks:
    Die Kapazität jedes der 20 Stück Einzeltracks ist neu 10‘000 Punkte. Dies ist ein riesengrosser Vorteil gegenüber allen Vorgängermodelle, wo Trackaufzeichnungen entweder komprimiert oder in 500er-Blöcke aufgeteilt werden mussten.
    Neu ist auch, dass ein Track eingeschaltet werden muss, damit er auf der Karte dargestellt wird. Das hat den Vorteil, dass mehrere Tracks im gleichen Gebiet in der Kartendarstellung nicht «quer übereinander liegen».

    Batterieleistung:
    Testumgebung:
  • Neuster Softwarerelease.
  • Magnetischer Kompass, Hintergrundbeleuchtung sowie alle Funkempfänger ausgeschaltet.
  • 20 Grad Raumtemperatur.
  • Kartenseite mit Trackaufzeichnung aktiv (Modus alle 30 Sekunden).
  • Verschiedene handelsübliche Einwegbatterien (Alkaline).


  • Resultate des Colorado 300:
  • Varta Duracell Plus: 6 Stunden 54 Minuten
  • Varta High Energy: 7 Stunden 10 Minuten
  • Varta MaxTech: 8 Stunden 35 Minuten

  • Da wir diese Resultate kaum glauben konnten - das 60CSX kommt auf die doppelte, das Vista HCX auf die dreifache Laufzeit - haben wir den Test mehrfach wiederholt. Leider immer mit ähnlichen Resultaten. Für uns - ungenügend!

    Display:
    Ein bestechender Punkt beim Colorado 300 ist das grosse Display mit 240x400 Bildpunkten (GPSMap 60CSX, Vista HCx: 240x160 Punkte). In den Produkte-Spezifikationen heisst es dann auch «Hochauflösendes Farbdisplay mit 7,6cm diagonale, 240 x 400 Pixel, im Sonnenlicht ablesbar».
    Und so ist es auch: Bei Sonnenlicht ist das Display perfekt ablesbar – bei allen anderen Verhältnissen muss für ein vernünftiges Arbeiten die Hintergrundbeleuchtung eingeschaltet werden (jedoch mit entsprechenden Auswirkungen auf die Batterielaufzeit).
    Grund dafür dürfte die neue Kartendarstellungsfunktion sein, die Karten im Display des Colorado 300 gleich aussehen lässt, wie bei der Darstellung in MapSource auf dem PC. Eigentlich ein grosser Fortschritt. Leider wird dadurch aber das dargestellte Bild im Colorado 300 wesentlich dunkler als bei der vereinfachten Darstellung der Karten mit dem GPSMap 60CSx oder dem Vista HCx. Für den praktischen Einsatz aus unserer Sicht ungenügend!

    Empfangseigenschaften:
    Testumgebung:
  • Colorado 300, GPSMap 60CSX und Vista HCx vorne nebeneinander am Bike-Lenker montiert.
  • Aufzeichnung an: Modus automatisch; Intervall normal.
  • Befahrung einer Bergstrasse im Wald (7.2.2008; eher feuchte Verhätnisse) unter Felswänden: Also insgesamt schwierige Umgebung für ein GPS.


  • Resultat:
    Grün: Colorado 300; Blau: GPSMap 60CSX; Rot: eTrex Vista HCx

    Nach wie vor GPSMap 60CSX (SirfSTAR-III) Klassenbester. Vista HCx knapp dahinter. Colorado 300 – na ja – an dieser Stelle haben wir die Tests abgebrochen.


    … liebe Garmin, wir denken, ihr solltet beim Colorado 300 nochmals über die Bücher gehen.
    Und wenn Ihr am überarbeiten seid, hier noch einige Wünsche und Anregungen:

    Kartenseite:
  • Auf der Kartenseite können nur noch zwei Datenfelder eingeblendet werden. Angesichts der neuen Möglichkeiten (Herzfrequenz, Temperatur, …) erscheint es uns sinnvoll, wenn wie beim GPSMap 60CSX und eTrex Vista HCx mehr Felder angezeigt werden könnten.
  • «Höhenmeter im Aufstieg» und «Höhenmeter im Abstieg» sind Datenfelder, die man ebenfalls in der Karte eingeblenden können sollte (dito beim GPSMap 60CSx und Vista HCx).


  • Herzfrequenz:
  • Neu kann die Herzfrequenz angezeigt werden. Dass kein virtueller Trainingspartner wie beim Forerunner oder Edge eingebaut ist, finden wir schad, können wir aber verstehen. Mindestens einen oberen und unteren Schwellwert mit Alarm bei der Herzfrequenz hätten wir schon erwartet.


  • Tracks:
  • Lobenswert ist, dass die 20 Stück Einzeltracks neu bis zu 10‘000 Punkte enthalten können. Aber: Warum sind diese Werte limitiert (Anzahl Tracks, Anzahl Punkte)? Die einzige Limite ist doch der gesamte zur Verfügung stehende Speicherplatz...
  • Das Colorado 300 lässt sich ähnlich einem digitalen Fotoapparat vom PC als externes Laufwerk ansprechen. Es hat sogar ein Verzeichnis GPX: Doch weshalb kann vom Colorado auf so gespeicherte Tracks nicht zugegriffen werden?
  • Ideal wäre, wenn zu speichernde Daten (Tracks, Wegpunkte, …), ähnlich einem Word-Dokument ein Name und ein Speicherort vergeben und die Daten auch so wieder geladen werden können.
  • Weshalb kann man bei den Tracks die Farbe nicht mehr verändern? Gerade bei der aktuellen Trackaufzeichnung (früher ActiveLog) ist die dünne schwarze Linie sehr gewöhnungsbedürftig.


  • 3D-Darstellung:
  • Zusammen mit lokalen Topo-Karten (z.B. Topo Schweiz) aufgrund der geringen Anzahl Höhenpunkte unbrauchbar. Warum greift das System nicht auf die Höhendaten der lokalen Karte zurück? Bei der Topo Schweiz ist das Netz ca. zwanzig Mal dichter als aktuell dargestellt.


  • Anschluss gesucht für Datenaustausch:
  • Ein an den PC angeschlossenes Colorado 300 wird als externe Festplatte erkannt. Mit dem Windows-Dateiexplorer kann auch problemlos auf die Daten des Colorado 300 zugegriffen werden – was allerdings keine Wirkung zeigt (siehe Tracks). Für den Datenaustausch ist der mitgelieferte Trip & Waypoint Manager (oder Mapsource) zuständig. In der Zwischenzeit gibt es eine ganze Reihe von Drittsoftware-Produkten, um Daten auf Garmin GPS-Geräte zu übertragen (G7ToWin, Fugawi, TTQV, SwissMap, usw.).
    Da Garmin irgendetwas an der Datenübertragung verändert hat, ist ihnen allen in den momentanen Versionen der Zugang zum Colorado 300 nicht möglich (auch das Garmin Trainingscenter kann nicht!). Das Colorado 300 bitte zumindest wieder kompatibel machen. Neue Releases der GPS-Lieblingssoftware von Nutzern lassen oft Monate auf sich warten.


  • Fazit:
    Potentiellen GPS-Geräte-Käufern empfehlen wir, auf die ausgereifte, bestehende Garmin-Produktepalette zurück zu greifen (GPSMap 60CSX, eTrex Vista HCx) oder auf Nachfolgerprodukte zu warten. Im Frühling 08 wir zudem die Edge- und die Forerunner-Serie neu aufgelegt.


    08.02.2008 18:49:48