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Gazzirola

Gazzirola

Tour description

In Maglio di Colla, einer kleinen Häusergruppe zu Füssen des südwestlichen Bergrückens des Gazzirola starten Sie diese Tour. Auf der Asphaltstrasse, die nach Certara ansteigt, beginnen Sie in die Pedale zu treten. Dort schlagen Sie die Route für Mountainbike ein, die bald im Wald verschwindet. Über eine lange Gerade und einen steileren Anstieg gelange Sie zum kleinen, romantischen Kirchlein in San Lucio. Weiter führt die Schotterstrasse auf der italienischen Seite zur Berghütte Gazzirola hinauf. Auf dem kurzen Abschnitt zum Gipfel müssen Sie das Mountainbike stossen, werden aber sogleich mit einer wunderschönen Aussicht über die Alpen belohnt. Auf dem engen Westgrat gelangen Sie auf holprigem Boden und einigen anspruchsvollen Passagen zu Fuss, erreichen Sie ruhigeres Gelände. Bald sind Sie vor den Hütten der Alpe Pietrarossa, auf deren sprödem Verputz die Eidechsen die letzten blassen Sonnenstrahlen erhaschen. Kurz danach stossen Sie auf eine Abzweigung nach Colla, und gerade Strecken mit kiesigem Boden flitzen unter Ihren Rädern vorbei. In Colla erwartet Sie ein Maultierpfad, der sich zwischen den Häusern senkt und erneut in den Wald eindringt. So können Sie noch ein paar Kurven drehen, bevor Sie die Tour in Maglio di Colla beenden.


Gazzirola heisst der höchste und ausgedehnteste Berg im Sottoceneri. Seine nackten, steinigen Hänge erzählen von längst vergangenen Zeiten, als Hunger und Not die Menschen dazu drängten, die Wälder abzuholzen, um Viehfutter und Brennholz für die Köhlereien zu gewinnen. Jetzt ist diese Nutzung vorbei, und das steile Weideland erfreut die Wanderer, die vom grandiosen Panorama des Gipfels angelockt werden, aber auch die wenigen frei gebliebenen Kühe, die ihres Glücks bewusst das hohe Gras gierig abweiden.


31. August

Wir befinden uns in Maglio di Colla, einer kleinen Häusergruppe zu Füssen des südwestlichen Bergrückens des Gazzirola. Die Luft ist im Spätsommer immer noch erstickend heiss. Wir beginnen unverzüglich auf der langen Asphaltstrasse, die nach Certara ansteigt, in die Pedale zu treten.
Dort schlagen wir eine Route für Mountainbike ein, die vom Verkehrsverein Lugano angelegt wurde.
Die Strecke verschwindet bald im Wald, in dem uns schattige Bäume und Sträucher mit einer erfrischenden Umarmung empfangen. Unversehens sind wir auf einer kleinen Lichtung, die uns bekannt vorkommt: Wir hatten sie im Juni auf dem Weg zum San Lucio durchquert. Wir folgen ihr nochmals und freuen uns auf die lange ebene Gerade, die uns zum romanischen Kirchlein bringen wird. Als wir vor der letzten Steigung stehen, merken wir aber, dass wir sie sehr unterschätzt haben. Der harmlose Anstieg, an den wir uns erinnern, ist in Wirklichkeit eine mörderische Rampe, die steil gegen den Himmel ragt und dem Hinterrad keinerlei Haftung bietet.
So ist halt unsere Erinnerungsfähigkeit: Sie verwandelt Saures in Süsses und Unmögliches in Leichtes.
Vom San Lucio fahren wir Richtung Norden auf der Schotterstrasse, die auf der italienischen Seite den Gazzirola erklimmt. Zuerst wird der Aufstieg von schütterem Gestrüpp begleitet, doch nach der Alpe Tabano gelangen wir auf offenes Gelände, und die Sonne schenkt uns keine Atempause.
Wir setzen den Aufstieg schwitzend und keuchend fort, bis wir die Berghütte Garzirola erreichen, eine ehemalige Zollkaserne, die von der Gemeinde Cavargna umgebaut wurde. Hier wird der Maultierpfad zum Wanderweg, auf dem wir das Mountainbike zum grossen Teil stossen müssen.
In einer Viertelstunde erreichen wir das Bergkreuz und dann auf einer nicht so steilen Strecke den Gipfel.
Da oben schweift der Blick über die Wälder und die Maiensässe des Val Colla, die sich sanft gegen Südosten senken, als wollten sie sich in die offenen Arme des Ceresio werfen. In der Ferne sieht man die lombardischen Voralpen, an einem klaren Tag auch die Walliser Alpen und den unverwechselbaren Monte Rosa, der den grössten Teil des Tessiner Weitblicks beherrscht. Im Norden das steile, wilde Val Serdena, das sich vergeblich zum Lago Maggiore vorbeugt, der vom Tamaro und der Cima di Medeglia abgeschirmt wird. Die prächtige Bergkette gegen Osten umschliesst das Val Cavargna und verbirgt den Comer See, der hin und wieder zwischen den Bergsatteln hervorguckt. Das ist die Welt des Gazzirola: Das Schimmern der Seen, die warmen Farben des trockenen Grases, der Dialog zwischen Sonne und Erde. Der Wind, der langsam riesige Luftmassen verlagert und den Duft der Kastanien mit sich bringt, während die Geräusche der Menschen unten im Tal nur gedämpft zu hören sind.
Nach einer langen Betrachtungspause stürzen wir uns zu Tal auf dem engen Westgrat, auf dem die Kühe die einzigen Wegspuren hinterlassen haben. Das erste Teilstück bietet viel Aussicht, doch unsere Augen sind auf den holprigen Boden gerichtet, der uns zwingt, im Schritttempo vorzugehen, um schlimme Stürze zu vermeiden. Nach einer Talmulde steigt der Weg wieder an zur Cima Moncucco. Hier sind wir wieder gezwungen, anspruchsvolle Passagen zu Fuss zu bewältigen, dann verlassen wir den Grat, um nach links abzusteigen, auf den Wiesen, die im Winter mit ihren gewundenen Kurven zum schneeweissen Teppich für die Skiwanderer werden. Jetzt hingegen stellt der Weg mit den zahlreichen Steinen und Löchern unseren Magen und unsere Gelenke auf eine harte Probe. Die Weichheit des Schnees liegt so ferne, dass wir sie als unwahrscheinlich empfinden. Wie stark ist doch die Natur: In einer einzigen Jahreszeit verwandelt sie Berge, die unveränderlich scheinen!
Nach vielen Stössen erreichen wir endlich ein ruhigeres Gelände. Wir kreuzen einen breiten Maultierpfad, dem wir nach links in sanfter Neigung folgen. Bald sind wir vor den Hütten der Alpe Pietrarossa, auf deren sprödem Verputz die Eidechsen die letzten blassen Sonnenstrahlen erhaschen. Kurz danach stossen wir auf eine Abzweigung nach Colla, und es bleibt uns nichts anderes übrig, als der Schwerkraft zu folgen. Gerade Strecken mit kiesigem Boden flitzen unter unseren Rädern vorbei, während die Weiden dem Wald Platz machen und das Gebrumme des Verkehrs stärker wird.
In Colla geraten wir auf die Kantonsstrasse, die wir sofort wieder verlassen: Auf der andern Seite erwartet uns ein Maultierpfad, der sich zwischen den Häusern senkt und erneut in den Wald eindringt. So können wir noch ein paar Kurven drehen, bevor wir unsere Tour in Maglio di Colla beenden.
Nach einem Tag in Begleitung der Windstösse und des Krähenflugs ist die Konfrontation mit der Zivilisation beinahe brutal. Doch das ist unser Haus, die Welt, die wir uns zurechtgezimmert haben. Es wird Abend, der Gazzirola, 1500 Meter weiter oben, gehört wieder einzig dem Mond.

Alfio Cerini, Tessin auf zwei Rädern, Dadò Editore, Locarno, 2008


Note(s)

Nicht fahrbar: 15 - 35 Min.
Jahreszeit: Mai - November
Fahrtechnik: 4
Kondition: 4


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Places along the route: Maglio di Colla - Certara - La Corte - San Lucio - Rifugio Gazzirola - Gazzirola - Passo di Pozzaiolo - Alpe Pietrarossa - Barchi di Colla - Colla - Maglio di Colla


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Tour history (B01853)

First published: Freitag, 13. März 2009

Last updated: Mittwoch, 22. Januar 2014

Tour published by: Presented by www.ticino.ch

Tour characteristics

Distance: 22.4 km | Time requirement: 4 h
Ascent: 1346 m | Descent: 1346 m
Highest point: 2116 m.a.s.l.

Difficulty S2

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