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Der Passo di Gana Negra

Der Passo di Gana Negra

Tourenbeschreibung

Die Tour beginnt in der kleinen Siedlung Camperio und steigt zügig auf durch das Valle Santa Maria, entlang der alten Passstrasse. Auf der Höhe des Lukmanierpasses führt ein steiler Weg hinauf zum Passo di Gana Negra, wobei man ca. eine Stunde schieben muss. Nun beginnt die abwechslungsreiche Talfahrt zur Alpe di Bovarina. Der Weg nach Passo Cantonill bietet sehr steile Aufstiege und Abfahrten. Danach gibt es einen wunderschönen Single Track. Von Anvéuda, einer sanften, mit verträumten Hütten übersäten Ebene, gelangt man auf Asphalt zurück nach Camperio.

In der Schwebe auf zweitausend Meter, an der Nordgrenze des Kantons Tessin, ist das Val di Campo der letzte grüne Schimmer der Alpen. Seine sanften Grashänge bilden einen Gegensatz zur Strenge der Berge, die es im Norden bedrängt. Diese latente Spannung wird zum offenen Zusammenprall von Felsen und Weiden auf dem Passo di Gana Negra: Sie durchbohren sich gegenseitig und verwandeln die Landschaft in ein zerklüftetes Schlachtfeld: eine der eindrucksvollsten Szenerien des ganzen Alpenraums.


20. August

Bei der Fahrt auf den Lukmanier, wenige Kilometer vor dem Tourismuszentrum Campra, ruht die kleine Siedlung Camperio zu Füssen der hohen Berge. Unsere Tour beginnt hier, auf den grossen Weideflächen, die sich vor den Häusern ausbreiten und die Luft mit smaragdgrünen Reflexen färben. Wir steigen zügig auf durch das Valle Santa Maria, längs der Hauptstrasse, doch nach ein paar Kehren wählen wir eine Abzweigung nach rechts. Es ist die für den motorisierten Verkehr gesperrte alte Passstrasse, die es erlaubt, die Schönheit der Landschaft in Ruhe zu geniessen.
Kurz vor Acquacalda vereinigen sich die beiden Strassen wieder. Seitlich von uns flitzen goldbraune Wiesen vorbei, auf denen die Kühe träge das letzte Gras abweiden, alte Steinhütten, die sich an den Wildbächen ansammeln, dichte Waldinseln, die das Tal in seiner ganzen Breite bedecken. Weiter oben hingegen ist es nur einigen waghalsigen Kiefern gelungen, mit ihren Wurzeln in den kahlen Boden einzudringen. Verformt vom Wind und von den Unbilden der Witterung, stehen sie in gewundenen Linien. Den Hintergrund dieser wunderschönen Szenerie bilden die majestätischen Gipfel, die das Tal krönen, und die wir bald erreichen werden.
Auf der Höhe des Lukmanier-Hospizes verlassen wir die asphaltierte Strasse und beginnen auf einem steilen Weg aufzusteigen. Wenige Meter können wir noch in die Pedale treten, dann müssen wir aus dem Sattel steigen und zu Fuss weiter gehen. Doch der Aufstieg erweist sich länger als vorgesehen, und mein Bruder sieht mich fragend an: Mein «In fünf Minuten sind wir angekommen» überzeugt ihn nicht mehr.
Nach einer Stunde mit geschultertem Fahrrad erreichen wir eine weite Hochebene, die uns endlich einen ebenen Weg bietet. Wir radeln und geniessen jeden Meter im Sattel. Wir müssen kaum mehr einen Fuss auf den Boden setzen und erreichen bald die Passhöhe. Plötzlich befinden wir uns in einer breiten waldigen Mulde, übersät von einer Unmenge kleiner und grosser Felsblöcke, teils durcheinander, teils sauber angeordnet, nach unentzifferbaren geometrischen Mustern:
Das Ergebnis von Naturkatastrophen, die sich wohl vor Millionen Jahren zugetragen haben. Die Felsen glänzen in tiefem Schwarz, das die Farben der Jahreszeiten misstrauisch versteckt:
das üppige Gelb der Ranunkeln, die im späten Frühling erblühen, das kräftige Grün des sommerlichen Grases, die Ockerfarbe, die im Herbst die Berge entflammt, der bläuliche Schimmer der Gletscher im Winter. Weiter oben, zu unserer Linken, die Ursache dieser Verwirrung: Ein zackiger Berg, schwarz wie die Felsen, die uns umgeben, dominiert das Tal, droht aber in jedem Moment zu zerbröckeln.
Auf der andern Seite des Passes nehmen wir die Talfahrt in Angriff. Wir folgen nicht dem Wanderweg, der in eine kaum befahrbare Passage einzudringen scheint, sondern improvisieren eine unterhaltsame Strecke zwischen den grossen Felsblöcken: einmal klettern wird über sie hinweg, das andere Mal umgehen wir sie. Ein fantastischer «Klettergarten» für Mountainbike: Jeder Meter weiter nach unten lässt uns nur bedauern, dass wir ihn schon zurückgelegt haben.
Wir bleiben zuerst auf der linken Seite, doch wo der Wildbach, der mitten durch das Tal fliesst, sich eine Schlucht gegraben hat, wechseln wir auf die andere Seite. Die Felsblöcke lichten sich und lassen den Lärchen Platz, die uns bis zur Alpe di Bovarina begleiten. Von ferne hören wir eine geheimnisvolle Weise, mit schmet­ternder Stimme gesungen: Der alte Hirt hat die Kühe auf den Weiden erreicht und fordert sie auf, zum abendlichen Melken in den Stall zurückzukehren.
Eine Schotterstrasse führt talwärts, doch wir verlassen sie, sobald sie in den Wald eindringt, um den Markierungen in Richtung Passo Cantonill zu folgen. Ein schräg aufwärts führender Weg dringt in den schattigen Hang ein; er weist abwechslungsweise sehr steile Aufstiege und Abfahrten auf. Das letzte Teilstück ist nicht mehr befahrbar und zwingt uns, einige Minuten zu Fuss aufzusteigen.
Auf dem Pass sind wir wieder an der Sonne. Vor uns liegt ein wunderschöner Single Track, der sich kopfüber gegen die grasige Ebene stürzt, um dann zwischen den Tannenbäumen zu verschwinden. Die Kurven werden immer enger und stellen unsere akrobatischen Fähigkeiten und unsere körperliche Belastbarkeit auf eine harte Probe. Nach wenig mehr als einem Kilometer Abfahrt sind wir in Anvéuda, einer sanften, mit verträumten Hütten übersäten Ebene, wo uns der Asphalt für die Rückkehr nach Camperio erwartet.
Noch bevor wir das Auto besteigen, denken wir sehnsüchtig an die grossartigen Berge zurück, die uns auf dieser Tour begleitet haben. Bald werden wir wieder in das Grau des Verkehrsalltags eintauchen, doch jetzt bewahren auch wir, so wie die schwarzen Felsen des Passo di Gana Negra, die tausend Farben der Berge im Herzen.

Alfio Cerini, Tessin auf zwei Rädern, Dadò Editore, Locarno, 2008


Hinweis(e)

Nicht fahrbar: 60 - 100 Min.
Jahreszeit: Juli - Oktober
Fahrtechnik: 3
Kondition: 5
Zu Fuss: Lucomagno - Camperio_6 Std.


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Orte an der Route: Camperio - Campra - Acquacalda - Alpe Casaccia - Passo del Lucomagno - Passo di Gana Negra - Alpe di Bovarina - Passo Cantonill - Anvéuda - Camperio


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Geschichte der Tour (B01852)

Erste Publikation: Freitag, 13. März 2009

Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 3. Juni 2015

Tour publiziert von: Presented by www.bellinzonese-altoticino.ch

Tourencharakter

Distanz: 29.6 km | Zeitbedarf: 4 h
Aufstieg: 1405 m | Abstieg: 1405 m
Aufstieg bei OeV-Benutzung: 730 m
Höchster Punkt: 2431 m.ü.M.

Schwierigkeit S1

Drucken, Daten

Siehe auch

Bellinzonese e Alto Ticino
Sede Valle di Blenio
Zona Lavorceno
CH-6718 Olivone
T +41 (0)91 872 14 87
F +41 (0)91 872 15 12
blenio@bellinzonese-altoticino.ch
www.bellinzonese-altoticino.ch