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Val Bavona, zwischen den Steinen leben

Val Bavona, zwischen den Steinen leben

Tourenbeschreibung

Im Aufstieg durchfahren wir das ganze Bavonatal, von Cavergno bis San Carlo auf der asphaltierten Talstrasse. Erst im Abstieg erfahren wir die Feinheiten und Raffinessen dieses Tales. Da sind zum einen liebliche Felder, feenhafte Wälder und der prächtig tosende Wasserfall von Foroglio und zum anderen beharrliche Trockenmauern und starre Felsblöcke, die von dramatischen Ereignissen erzählen. Die Fahrt auf den Wegen ist im Vergleich zur Wildheit dieses Tales relativ gut machbar, aber nicht immer ganz einfach.


Das Val Bavona ist eines der wildesten Täler im Tessin. Von seinen steilen Felshängen stürzen im Sommer Erdrutsche und im Winter Lawinen. Auch der anscheinend ruhige Fluss kann verheerende Überschwemmungen auslösen. Die Naturkatastrophen haben das Tal anderseits vor den vom Menschen verursachten Umwälzungen bewahrt. Noch heute ist das Eindringen in dieses Tal ein aussergewöhnlicher Sprung in die Vergangenheit.


11. November

Cavergno, das letzte Dorf im unteren Maggiatal, könnte mit seinem düsteren Namen einen verschlossenen, feindseligen Ort vermuten lassen, doch der wahre Sinn des Wortes ist viel freundlicher: «Ca’ d’inverno» (Winterhaus), in dem die Bauern in der kalten Jahreszeit wohnten, nach der Transhumanz durch das Val Bavona.
Wir dringen in das Tal auf der Asphaltstrasse ein, die hinter dem Dorfkern in Richtung San Carlo aufsteigt. Das erste Teilstück durchquert eine enge Schlucht, dann wird der Talgrund breiter. Wir erreichen die ersten kleinen Siedlungen, die von den Einheimischen terre genannt werden.
Ein grosser Felsblock am Strassenrand, kurz nach den Häusern von Fontana, stösst noch heute seinen herzzerreissenden Schrei aus: Vor fünfhundert Jahren hat ein riesiger Felssturz die Felder und Weiden begraben. Den Grundbesitzern blieb nichts anderes übrig, als ihre Verzweiflung in grossen, finsteren Buchstaben in den Stein einzumeisseln. Von hier aus wurde das ganze Tal von Katastrophen heimgesucht, und die Menschen mussten sich daran gewöhnen, unter den schlimmsten Bedingungen zu leben.
In Alnedo und Sabbione wird die Strasse ebener, um dann nach Ritorto wieder anzusteigen. Hier bringt die Natur nochmals ihre ganze Gewalt zum Ausdruck, diesmal aber auf friedliche Weise: Der Wildbach Calnègia stürzt sich aus einem weiten Hängetal fast hundert Meter in einem akrobatischen Flug in die Tiefe und bildet so den prachtvollen Wasserfall von Foroglio, dessen Getöse uns auf einem langen Strassenstück begleitet.
Andere terre lösen sich beidseits der Strasse ab. Die schönen Häuser von Roseto, die sich neugierig an das Flussufer drängen; Faedo, das noch die Wunden der Überschwemmung trägt, die 1992 die halbe Siedlung weggefegt hat; Bolla, das sich dem vorrückenden Wald ergeben zu haben scheint.
Der letzte Ortsteil von Cavergno ist Sonlerto, dessen Häuser auf den Resten eines alten Bergrutsches stehen. Dann nur noch Steine und Felsblöcke. Nachdem wir das einsame, geheimnisvolle Oratorium von Gannariente hinter uns gelassen haben, wird die Landschaft sanfter. Wir erreichen die fruchtbaren Felder von San Carlo, das zur Gemeinde Bignasco gehört. Hier endet der Asphalt. Es bleiben nur die kühnen Stufenwege der Älpler, die an überhängenden Felsbändern und unwegsamen Hängen hochklettern.
Wir kehren um und beginnen die Talfahrt. Das raue Gelände lässt uns keine andere Wahl als der Strasse zu folgen, auf der wir aufgestiegen sind.
In Sonlerto führt jedoch ein schöner Weg durch die Felder: ein Flecken Erde, der auf wunderbare Weise den Erdstürzen und Überschwemmungen entgangen ist. Wir überwinden einige Felsblöcke, die wer weiss von welchem Gipfel herunter gepoltert sind und mit unermüdlicher Hartnäckigkeit in hängende Wiesen verwandelt wurden, dann wird die Strecke vom Wald umhüllt.
Eine schmale Fussgängerbrücke überquert den Fluss, doch wir verirren uns zwischen den Bäumen, auf der Suche nach Trockenmauern, und erreichen das steinige Flussufer erst weiter südlich. Das Wasser fliesst gemächlich, und wir versuchen den Fluss zu durchwaten. Das Wasser ist jedoch tiefer als angenommen: Nach zwei, drei Pedaltritten bleiben wir einer nach dem andern auf dem sandigen Grund stecken.
Das Wasser ist glücklicherweise nicht sehr kalt: Wir klettern wieder auf das linke Ufer und setzen unsere Talfahrt fort. Ein schöner Single Track bringt uns in kurzer Zeit zurück nach Faedo und Roseto.
Weiter vorn wurden die Felder von der Asphaltstrasse erobert. Deshalb überqueren wir wieder den Fluss auf einer Brücke und finden am rechten Ufer die Fortsetzung des Weges. Nach einer flüssigen Strecke stehen wir wieder vor einem beeindruckenden Felsblock, der Jahrhunderte überstanden hat, um uns seine tragische Geschichte zu erzählen: diejenige des bedauernswerten Mannes, der von diesem Block mitgerissen wurde und nach fünfunddreissigstündigem Todeskampf gestorben ist. Viele Jahre später wurden diese und andere dramatische Ereignisse vom Schriftsteller Plinio Martini in seinen ergreifenden Romanen erzählt.
Weiter unten ist eine Passage zu Fuss zurückzulegen, dann sind wir in Foroglio und können auf einer weiteren Brücke ans linke Ufer zurückkehren. Die Landschaft zeigt sich nochmals anders: Wir sind in einem Auenwald: Stellenweise ist der Weg von feinsten Sand bedeckt, der auch die einfachsten Fahrmanöver erschwert. Dann erreichen wir Ritorto; der Wanderweg klettert den Wald hoch, und wir entscheiden deshalb, auf dem Asphalt talwärts zu fahren. Erst unterhalb Mondada finden wir einen ebeneren Weg, doch der Boden ist derart holprig, dass wir lange Strecken zu Fuss gehen müssen.
Auf der Abfahrt flitzen noch viele Felsblöcke an unseren Flanken entlang. Auch wenn sie keine Inschrift tragen, haben sie alle eine Geschichte zu erzählen: die Geschichte von Schmerz und Verzweiflung, aber auch von viel Mut und Menschenwürde.

Alfio Cerini, Tessin auf zwei Rädern, Dadò Editore, Locarno, 2008


Hinweis(e)

Nicht fahrbar sind wenige Minuten. Das letzte Stück von Mondada bis Cavergno entspricht auf einem längeren Teilstück Schwierigkeitsgrad 4. Umfahrungsmöglichkeit ist die Aufstiegsstrecke.


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Orte an der Route: Cavergno - Mondada - Fontana - Ritorto - Foroglio - Roseto - Sonlerto - San Carlo - Sonlerto - Faèd - Roseto - Foroglio - Ritorto - Fontana - Mondada - Cavergno


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Geschichte der Tour (B01865)

Erste Publikation: Freitag, 13. März 2009

Letzte Aktualisierung: Montag, 8. Juni 2015

Tour publiziert von: Presented by www.ascona-locarno.com

Tourencharakter

Distanz: 22.9 km | Zeitbedarf: 2 h
Aufstieg: 536 m | Abstieg: 536 m
Höchster Punkt: 960 m.ü.M.

Schwierigkeit Keine Singletrails

Drucken, Daten

Siehe auch

Ascona-Locarno Tourist Office
Infodesk Vallemaggia
Centro Commerciale
CH - 6673 Maggia
Tel.: +41 (0)91 753 18 85
Fax: +41 (0)91 753 22 12
vallemaggia@ascona-locarno.com
www.ascona-locarno.com